“Ich wasche keine Elefanten” – Ein Dankeschön, das Freude macht

Foto: Bohdan Szcześniak

Als Strafverteidiger ist es in der Regel gut, eine gesunde Distanz zu seinen Mandanten zu wahren. Anders als in meinen jungen Verteidigerjahren duze ich mich nur noch selten mit meinen Auftraggebern, es sei denn, dass ich diese schon von früher kenne oder sie mir bei privaten Anlässen vorgestellt werden. Manchmal entwickeln sich aber – insbesondere bei langwierigen Verfahren – persönliche Beziehungen, die dann doch zu einem vertraulicheren Umgang führen. So ein Fall ist der von Thomas G. (Name geändert), der vor wenigen Tagen nach vierjähriger Verhandlungsdauer und einem erfolgreichen Revisionsverfahren doch noch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Ich habe darüber im strafblog berichtet. Die Verteidigung hatte ich zusammen mit der Kollegin Viktoria Nagel geführt. Thomas G. hat sich jetzt mit einer email bedankt, über die wir uns wirklich  gefreut haben und die wir – weil sie einen wunderbaren Optimismus zeigt – an dieser Stelle gerne wiedergeben:

“Liebe Viktoria, lieber Rainer,

es hat in den vergangenen vier Jahren zwar einige Gelegenheiten gegeben, in denen ich DANKE gesagt habe. Dennoch kommt es mir heute so vor, als hätte ich dies viel häufiger tun sollen. Ich möchte das nun sehr gerne nachholen. DANKE !

Ich bedauere sehr, das ich zwei so außergewöhnliche Menschen wie Euch, zu einem Zeitpunkt -und unter Umständen- kennengelernt habe, in denen ich, nachdem ich mit der „Addams-Family vom Landgericht Bochum“ in  Kontakt gekommen bin, wie ausgetauscht war. Ich werde mich nun immer darüber freuen, wenn ich Euch wiedersehen sollte. Dies war in der Vergangenheit zwar grundsätzlich auch der Fall, allerdings war das von meiner Seite immer sehr unentspannt. So bin ich eigentlich gar nicht.

Meine größte Hoffung liegt darin, so zu werden wie ich früher war. Gut, mit Sex, Drugs and Rock`n Roll wird`s nix mehr (Punkt 2 scheidet bestimmt durch die Bewährungsauflagen aus) aber dennoch glaube ich, die Chancen stehen auch mit Punkt 1 und 3 gut. Ein Lottogewinn, der ja auch mich irgendwann treffen muss (allein das Ritual, wie die Zahlen mit Hilfe unserer neuen schwarzen Katze gezogen wurden ist vielversprechend) könnte auch hilfreich sein, dieser steht aber in der Rangordnung deutlich tiefer.

In meinen schlimmsten Albträumen habe ich mich schon als Tierpfleger im Zoo gesehen. Ich habe aber beschlossen „keine Elefanten zu waschen“ sondern meinen Beruf weiter auszuüben.

Ich werde bestimmt noch eine Weile brauchen um das alles wegzustecken und wieder im richtigen Leben anzukommen. Das ich jetzt dazu die Gelegenheit habe, habe ich Euch zu verdanken.

Ps. Wenn ich mich jemals dazu durchringen kann, das was ich erlebt habe niederzuschreiben (dieser Gedanke beschäftigt mich seit einiger Zeit) steht der Titel schon fest …

„Ich wasche keine Elefanten“

Viele liebe Grüße”


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