Ziemlich jämmerlich, was Anwälte so verdienen ….

Nach einem Bericht bei Legal Tribune Online waren in Deutschland am 01.01.2012 nicht weniger als 158.426 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zugelassen, die sich auf ca. 45.000 Rechtsanwaltskanzleien verteilen. Die wiederum erwirtschafteten einen Gesamtumsatz von 18 bis 19 Milliarden Euro, wovon rund 40 Prozent auf die wenigen Großkanzleien entfielen. Als jährlicher Durchschnittsumsatz pro Anwalt wird ein Betrag von etwa 100.000 Euro netto angegeben, wobei von einer durchschnittlichen Kostenquote von 50 Prozent auszugehen sei. Rechnerisch kann ich das nicht ganz nachvollziehen: Wenn ich von 18 Milliarden Gesamtumsatz ausgehe und diesen durch gerundet 160.000 Anwälte teile, komme ich auf etwa 112.500 Euro Umsatz. Wie dem auch sei, nach Abzug der Kostenquote verbleibt ein Ertrag zwischen 50.000 und maximal 60.000 Euro im Jahr, von dem dann die Altersversorgung, die Krankenkasse und natürlich Steuern zu zahlen sind. Da bleibt statistisch ein monatliches Nettoeinkommen von deutlich unter 3.000 Euro über. Bedenkt man, dass 40 Prozent des Umsatzes bei den Großkanzleien erwirtschaftet wird und es auch unter den kleineren und mittleren Kanzleien einige Gutverdiener geben dürfte, ist zu erahnen, dass es nicht wenige Kolleginnen und Kollegen geben dürfte, deren Einkommen sich nicht weit von der Armutsgrenze bewegt. Ein trauriger Zustand, der nicht nur auf  die nach wie vor steigende Anzahl von Anwälten zurückzuführen ist, sondern auch auf die unzureichenden Honoraranpassungen nach dem RVG. Bei den Strafverteidigern dürfte – neben den viel zu niedrigen gesetzlichen Gebühren – noch hinzu kommen, dass die Realisierungsquote vereinbarter Honorare reichlich  schlecht ausfällt. Viele Mandanten kommen mit ihren Zahlungsverpflichtungen in Verzug oder zahlen gar nicht. Da hilft nur Eines: Ohne ausreichende finanzielle Grundlage erst gar nicht mit der Arbeit beginnen.

Ich habe keine statistischen Daten zu der Frage gefunden, wie hoch (oder besser: wie niedrig) das Durchschnittseinkommen von Strafverteidigern ist Als langjähriges Mitglied des Vorprüfungsausschusses für Fachanwälte für Strafrecht der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf weiß ich allerdings, dass die Zahl der Anträge auf Zulassung zur Fachanwaltschaft Strafrecht weit unter den Zahlen etwa für Arbeits- oder Familienrechtler liegen. Das deutet darauf hin, dass nur relativ wenige Kolleginnen und Kollegen tatsächlich von reiner Strafverteidigertätigkeit leben können.

Man muss heutzutage entweder Idealist oder unverbesserlicher Optimist sein, wenn man sich als Strafverteidiger niederlässt, will mir scheinen.

 


8 Kommentare zu “Ziemlich jämmerlich, was Anwälte so verdienen ….

  1. Was bei dieser statistischen Auswertung immer vergessen wird, ist der hohe Anteil sehr alter Kollegen, die fatlisch nicht oder so gut wie nicht tätig sind, aber noch als Rechtsanwälte zugelassen sind. Die haben dann ein nahezu ungenutztes Büro in einer Kanzlei, stehen auf dem Briefkopg und versemmeln ein bis zwei Blitzermandate pro Jahr. Umsatz gleich null, aber eben auch ein Pünktchen in der Statistik.
    Im gleichen Atemzug lassen sich die Syndicus-Anwälte nennen, die nach Feierabend noch zwei Mandate pro Monat bearbeiten…

    • Sehr geehrter Herr “Ich”,

      die Statistik, die ich kenne erfasst nur die Anwälte, die freiwillig ihre Umsatzdaten mitteilen. Und dazu gehören eher weniger die Anwälte, die kaum noch tätig sind. Der Median liegt dort beim Einzelanwalt bei 90.000 EUR Umsatz im Jahr. Da bleibt in der Tat weniger übrig, als man es für so einen anspruchsvollen und zeitintensiven Beruf erwarten könnte.

  2. Naja, seriöserweise müsste man all die “Rechtsanwälte” rausrechnen, die in Wirklichkeit Unternehmens- oder Verbandsjuristen sind und ihre Wohnzimmerkanzlei nur nebenbei führen, um Zugang zum Versorgungswerk für Rechtsanwälte zu haben, statt in die Rentenversicherung einzubezahlen. Fast jeder mir bekannte Verbands- und Unternehmensjurist ist nebenbei als Rechtsanwalt zugelassen. Die Umsätze solcher “Kanzleien” sind natürlich minimal.

    Ebenso müsste man die Rentner und Pensionäre rausrechnen, die nebenbei noch als Rechtsanwälte ein Schild an der Tür haben. Letztere Gruppe ist dabei zugegebenermaßen relativ klein.

  3. Zur rechnerischen Richtigkeit des Durchschnittsgehalts: Vermutlich wird es so gehandhabt wie beim Durchschnittsgehalt über alle Bürger. Da wird nicht das arithmetische Mittel, sondern der Median gewählt (also der Betrag, an dem genau es gleich viele Anwälte sind, die mehr als den Betrag verdienen, wie es Anwälte sind, die weniger als diesen Betrag verdienen. Dadurch werden Ausreißer (die angesprochenen Fast-Rentner, die kaum noch Mandate haben oder absolute Spitzenverdiener) nur abgeschwächt einbezogen.

  4. Solche Rechnungen gelten und gibt es für fast alle Berufsgruppen.

    Weshalb nicht gleich Planwirtschaft, sondern der Umweg über eine Erhöhung der RVG-Gebühren bei einer an sich privilegierten Berufsgruppe?

    Niemand hindert einen Anwalt, sein Tätigkeitsfeld zu wechseln, und nicht mehr als Organ der Rechtspflege zu versuchen, Unheil zu zementieren und zu verbreiten.

  5. Mir kommen die Tränen. Ein cleveres Kerlchen von Strafverteidiger arbeitet doch eh für Honorar, ab 2k aufwärts pro Fall. Soweit zur Forderung der Erhöhung der RVG-Gebühren – wer braucht das schon.

  6. Auf Menschen, die wirklich an der Armutsgrenze leben, wird dieses Rechenexempel zu Recht arrogant und überheblich wirken. Dazu auch noch die Nachfrage: Wo beginnt den Ihrer Meinung nach das Gutverdienertum, wenn nicht bei 50 oder 60K im Jahr?

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