Was hat Tom Hanks mit dem Hamburger Piratenprozess zu tun?

Strafjustizgebäude in Hamburg, Eingangsportal

Strafjustizgebäude in Hamburg, Eingangsportal

Vordergründig hat der gute Tom Hanks nichts mit dem inzwischen ja seit einem Jahr beendeten Hamburger Piratenprozess zu tun, das ist klar. Aber als ich mir gestern Abend den Greengrass-Thriller “Captain Phillips” mit eben diesem Tom Hanks in der Rolle des 2009 tatsächlich von somalischen Piraten entführten Kapitäns des Frachters “MAERSK Alabama” anschaute, kamen ganz unwillkürlich viele Bilder aus dem Verfahren wieder hoch. Die filmische Darstellung der Kaperung des Containerschiffes durch die Somalier erscheint außerordentlich authentisch und entspricht in vielerlei Hinsicht den Bildern und Vorstellungen von der Kaperung der MS Taipan im April 2010. Und die somalischen Laienschauspieler, die Paul Greengrass als Piraten auftreten lässt, ähneln typmäßig und in den dargestellten Verhaltensweisen durchaus einigen der 10 Angeklagten, die in Hamburg vor Gericht gestanden haben und zwischenzeitlich zu Freiheitsstrafen zwischen 2 und 7 Jahren verurteilt worden sind.

Die ziemlich am Anfang des Films dargestellte Rekrutierung einiger Piraten am Strand eines somalischen Dorfes mag sich durchaus auch im Falle des einen oder anderen Hamburger Angeklagten so oder ähnlich abgespielt haben. Aus meiner Sicht spricht Einiges dafür, dass nicht jeder zum Mitmachen gezwungen wurde, sondern dass der Eine oder Andere in der Beteiligung an dem Piraterieakt eine Chance gesehen hat, dem Elend von Hunger und Gewalt zu entkommen und seiner Familie zum Überleben zu verhelfen. Was nicht heißt, dass nicht auch Beteiligte gegeben haben kann, die aus reiner Habgier zum wiederholten Male mitgemacht haben, weil sie auf den Geschmack gekommen waren.

Wie im Falle der MS Taipan war die Kaperung der “MAERSK Alabama” von einem zuvor als “Mutterschiff ” in Besitz genommenen kleineren Frachtschiff aus erfolgt, und der Film zeigt, wie zwei kleine Motorboote von dort aus mit zwei Handvoll Piraten besetzt auf das riesige Schiff zufahren und dieses dann von unten beschießen, um die Mannschaft einzuschüchtern und zum Stoppen zu bewegen. Auf waghalsige Weise wird der Frachter von 4 bewaffneten Piraten mittels einer einfachen Leiter geentert, der vorherige “Beschuss” der angreifenden  Boote mit Wasserschläuchen und Signalraketen war von Beginn an eher aussichtslos.

Anders als im Fall der MS Taipan gab es auf der MAERSK Alabama noch keinen Schutzraum, in den sich die Mannschaft zurückziehen konnte, aber die Suche nach der Besatzung gestaltet sich auf so einem großen Schiff auch so als schwierig. Immerhin, den Captain und zwei weitere Besatzungsmitglieder treffen die Piraten auf der Kommandobrücke an und gleich entspannt sich eine sich während des weiteren Verlaufs zunehmende verdichtender Psycho-Auseinandersetzung zwischen dem Piratenführer Muse und Captain Phillips, die schließlich darin kulminiert, dass Phillips von den Piraten als Geisel mit auf ein Rettungsboot genommen wird, in dem diese den Frachter verlassen und auf die somalische Küste zusteuern.

Heiß ist es in dem hermetisch abgeschlossenen Rettungsboot, das wie ein schwimmender gelber Plastikkäfig wirkt, die Enge wirkt klaustrophobiefördernd und die Nerven der Beteiligten sind bis zum Zerreißen gespannt. Die Piraten brauchen Phillips als Geisel zum eigenen Schutz, da inzwischen US-amerikanische Kriegsschiffe aufgekreuzt sind, welche die Piraten gefangennehmen und die Geisel befreien wollen. Sie stehen aber auch unter dem Druck ihrer Warlords, die es auf Millionen-Lösegelder abgesehen haben und von ihren Leuten Erfolge sehen wollen.

Einer der Piraten ist erst 16 oder 17 Jahre alt, mich erinnert das an “meinen Piraten” im Hamburger Verfahren, und Captain Phillips ist es trotz seiner eigenen schwierigen Lage auch darum getan, das Leben des Jungen, der sich auf dem Frachter recht schwer am Fuß verletzt hat, zu retten. Auf dem Rettungsboot entwickelt sich ein dramatisches Hin und Her, der Anführer der Piraten versucht zwischendurch einige Male, das eigene Verhalten und die Piraterie insgesamt zu rechtfertigen, was allerdings in Ansätzen stecken bleibt, was auch der zeitlichen Begrenztheit einer Verfilmung geschuldet sein mag. Zwischendurch kommt es zu gewaltsamen Übergriffen gegen den Captain, die Piraten sind sich auch untereinander uneins, wie weiter vorgegangen werden soll. In atemberaubender Spannung steuert der Film auf das Finale zu, wie´s ausgeht, will ich hier nicht verraten.

Auch wenn manch wichtige Dinge, die über die Ursachen der Piraterie zu sagen wären, auf der Strecke bleiben und wenn die politische und sozioökonomische Situation in Somalia einschließlich des Terrors der Al Shabab weitgehend unberücksichtigt bleiben, ist dem Regisseur, der durch Filme wie “Die Bourne Verschwörung”, “Das Bourne Ultimatum”, “Flug 93″ oder “Bloody Sunday” zu filmischem Ruhm gelangt ist, ein bemerkenswerter halbdokumentarischer Thriller gelungen, der nicht nicht zuletzt wegen des großartigen Tom Hanks und der überzeugenden Leistungen der somalischen Schauspieler, insbesondere Piratenanführer Muse, gespielt von Barkhad Abdi, absolut sehenswert ist.

Mein Tipp: Unbedingt anschauen!!!

 

 

 

 


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