Merde … auf Französisch flucht´s sich eleganter

Sonnenaufgang am 16.12.2013

Sonnenaufgang am 16.12.2013

Irgendwie hatte ich das ja im Urin, dass das nichts werden würde mit der heutigen Hauptverhandlung vor dem Mönchengladbacher Schöffengericht. Dabei bin ich heute morgen schon um 4 Uhr in Hamburg ins Auto gestiegen, um rechtzeitig um 9 Uhr hier zu sein. Bis Oberhausen lief die Fahrt auch zügig, dann kamen mehrere Staus und ich war froh, dass ich einen gewissen Zeitpuffer eingebaut hatte, sonst wäre ich zu spät gekommen. Was, wie sich erst später herausstellte, nicht sonderlich schlimm gewesen wäre. Immerhin hatte ich während eines Staus Gelegenheit, einen wunderschönen Sonnenaufgang nicht nur zu genießen, sondern auch ein Foto davon zu schießen.

Es geht um eine mittelprächtige Drogensache, immerhin 38 Taten des gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Heroin und Kokain, davon in einem Fall in nicht geringer Menge. Der Mandant ist einschlägig vorbelastet, da kann eine nicht bewährungsfähige Strafe im Raum stehen. Es gibt eine Hauptbelastungszeugin, die hat ihn im Ermittlungsverfahren ziemlich in die Pfanne gehauen und ist inzwischen selbst wegen der von ihr eingeräumten Taten verurteilt worden. Wie heißt es doch so schön: “Das größte Gift für einen Angeklagten ist der geständige Mittäter bzw. Mittäterin, der/die sich selbst und ihren Kumpanen in die Pfanne haut.” Altes Strafverteidigerlatein ist das.

Mein Mandant bestreitet die ihm zur Last gelegten Taten, also kommt es auf die Zeugin an. Und die ist – wie auch ein anderer Zeuge – trotz ordnungsgemäßer Ladung heute morgen nicht erschienen. Also wurde gegen beide ein Ordnungsgeldbeschluss erlassen und die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Angesichts meines nächtlichen Aufstehens und der damit verbunden Grundmüdigkeit, die mich wohl den Tag über begleiten wird,  hätte ich laut “Scheiße” schreien können, aber genützt hätte es auch nicht viel und außerdem klingt “Merde” viel eleganter. Also mach ich´s jetzt auf Französisch!

Immerhin, so ist Gelegenheit, noch ein paar Stapel Akten, die sich in meinem Office türmen, wegzudiktieren. Da freuen sich meine Mädels! Obwohl …. ich höre gerade, dass meine Sekretärin während meines Kurzauftritts vor Gericht die Kanzlei verlassen hat, weil ihrer Tochter in der Schule schlecht geworden ist und sie sich jetzt um das Kind kümmern muss. Nochmal Merde!

 


3 Kommentare zu “Merde … auf Französisch flucht´s sich eleganter

  1. Ich dachte, Sie kommen aus Mönchengladbach?? Warum müssen sie dann so früh aufstehen?
    Oder waren Sie irgendwo in Münster und mussten dann durch das Ruhrgebiet fahren, um nach M’Gladbach zukommen?

    • Aus meinem Beitrag, lieber Hans Olo, ergibt sich, dass ich von Hamburg aus gen Rheinland gestartet bin. Das sind rund 430 Kilometer. Bisweilen verbringe ich meine Wochenenden auch nicht in der Kanzlei :)

      • Sie sind aber ein schlimmer Anwalt, ich kenne aus meiner Schulzeit den Spruch: “Fahre erst los wenn es zu Spät ist, denn nur dann ist es ein guter Tag!”

        Aber bei Rechtsanwälten ist es wohl was anderes, überhaupt bei solchem Straftatbestand. Sie werden ihn bestimmt dort raushauen :)

        Ich hoffe der Tag hat sich noch zum Guten gewandelt.

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