Du darfst (d)ein Kind nicht schütteln!

Für alles braucht man heute einen Schein: Führerschein, Segelschein, Angelschein, Schweißschein, Surfschein … Selbst Heilige und andere Gute – sie brauchen einen Schein!

Der Prozess, den ich zurzeit vor einer Schwurgerichtskammer verhandele, verschlägt allerdings selbst hartgesottenen Strafrechtlern den Satiregeist.

Heute, nach dem zweiten Verhandlungstag, in dem behandelnde Ärzte und der Gerichtsmediziner gehört wurden, verließ ich mit meinem Jurapraktikanten Christoph den Gerichtssaal. Mit einer Zigarette verabschiedeten wir uns in meinem Büro ins Wochenende. Ich hatte das Gefühl, dass Christoph genauso nachdenklich und betroffen war wie ich. Wir überlegten, ob es nicht einen Führerschein für werdende Eltern geben müsste. Vielleicht keinen Schein mit Prüfung, aber wenigstens eine umfangreiche Einweisung darin, wie man mit einem kostbaren, neuen Leben umzugehen hat, worin die Gefahren für das Kind und einen selbst liegen und was auf gar keinen Fall passieren darf.

„Passieren“? So, als ob das Schicksal wie eine Flut über einen hineinbricht?

„Es ist ein Unfall passiert! Ein Ungeschick!“ Mit einem Surfboard auf einer wunderschönen, gigantischen Lebenswelle gleitend. Ich bin stolzer Vater. Zu hoch. In einem überlappenden Tunnel aus kristallklarem, rauschendem Wasser und plötzlich – bei rasanter Fahrt – die verzweifelte Erkenntnis: Ich kann gar nicht surfen. Eine erschrockene, unbeherrschte Gewichtsverlagerung, und das Schicksalsbrett kippt und reißt alles in einem vernichtenden Strudel mit sich in die Tiefe. Benommen schaut er sich um. Und neben ihm liegt sein kleiner Sohn, und daneben liegt die Frau, die er liebt – die nie verzeihende Mutter – auf dem harten, sandigen Meeresboden.

So ist es nicht! Bei weitem nicht! Und vielleicht doch?

Der Angeklagte, ein junger, mir sympathischer Mann. Ein gebrochener junger Mann, der mit 24 Jahren alle gesellschaftliche Sympathie verspielt hat. Für den in der Untersuchungshaft „Einzelduschen“ angeordnet ist. Der in eine andere Haftanstalt verlegt wurde, weil er ansonsten von den Mitgefangenen als Kinderschänder verprügelt worden wäre. Der aus gleichem Grunde seinen einstündigen Hofgang alleine macht. Er umkreist den Gefangenenhof. Schritt für Schritt im Kreise, eine Stunde lang, bis er für die restlichen 23 Stunden in seine karge Einzelzelle geführt wird. Er atmet die kalte Luft, aber er spürt sie nicht. Er denkt an seinen jetzt 8-monatigen Sohn und hofft. Er hofft, dass sein Sohn es schafft, dass er überlebt, dass alles irgendwie gut wird, und er weiß, dass nichts mehr gut wird. Aber, ist es nicht ein gutes Zeichen, dass der Kleine nicht mehr krampft? Dass er anscheinend doch hören und vielleicht wird sehen können? Dass er irgendwann wird gehen und reden können? Sein Sohn, auf den er so stolz war. Er hat versagt, und was kann er jetzt noch tun – für seinen Sohn, für die Mutter? Was? Er denkt wieder daran, sich das Leben zu nehmen. Schon zweimal hat er es in der Haft probiert. Er schafft es nicht. Alles würde er dafür tun, es rückgängig zu machen. Alles. Aber die Zeit kann man nicht zurückdrehen.

Er lernte Maria während seines Zivildienstes kennen. Sie absolvierte ein freiwilliges soziales Jahr, und gemeinsam besuchten sie einen Kurs für Zivis, lernten sich kennen, liebten sich, und eines Tages war Maria schwanger. Beide waren verunsichert, und sie freuten sich. Sie zogen zusammen. Zunächst in eine miese Bruchbude in einer miesen Gegend. Schon bald fand er einen Job als Lagerarbeiter. Dem Kleinen zu Liebe zogen sie in eine bessere Wohnung. Sie waren glücklich, obwohl das Geld vorne und hinten nicht reichte. Aber bei wem reicht es schon in so jungen Jahren, wenn man eine Familie gründet? Sie waren überzeugt, es zu schaffen. Maria widmete sich liebevoll dem Säugling. Er gab sich alle Mühe, es ihr gleich zu tun, aber manchmal fühlte er sich überfordert. Er fand nicht den gleichen Zugang zu dem Kleinen wie Maria. Oft war er nach der langen Arbeit müde. Vielleicht fühlte er sich zuweilen auch zurückgesetzt. Er liebte den Kleinen, und eines Tages würde der Kleine auch ihn lieben. Maria fand einen Wochenendjob. Für einige Stunden wollte sie etwas dazuverdienen und mal rauskommen aus diesem anstrengenden Mutterdasein. Er blieb mit dem Kleinen zu Hause und Maria glaubte, es sei gut für die Beiden. Sie sollten lernen wenigstens ein paar Stunden alleine zurechtzukommen. Jede Stunde rief sie ihn an oder schrieb eine Whatsapp und erkundigte sich, wie es den beiden ging. Manchmal klappte es tadellos, aber oft bekam sie zu hören, dass der Kleine sich nicht beruhigen lasse. Er habe alles versucht. Ob er schon wieder Hunger habe? Ob es an den Blähungen liegen könnte? Warum schrie der Kleine fortwährend? Warum bekam er das nicht so hin wie die Mutter? Er hatte ihn auf den Arm genommen, war mit ihm Spazieren gefahren, hatte ihn gewiegt und gewickelt. Hatte Faxen gemacht, um den Kleinen abzulenken. Nichts hatte funktioniert. Der Säugling schrie und schrie. War es eine aus Verzweiflung geborene Wut, die ihn eines Tages dazu brachte, den Kleinen zu schütteln?

Danach war der Kleine endlich eingeschlafen. Hatte er schon da ein schlechtes Gewissen oder nur das Gefühl ein Versager zu sein?

Kann man verstehen, dass einem Elternteil die Sicherung durchbrennt, dass einem die Hand ausrutscht, dass ein Damm bricht und einen die Wut wegspült? Und was für Kräfte müssen gegen diesen Damm gedrückt haben, oder wie dünn müssen dessen Wände gewesen sein, dass so etwas „passiert“? Und dass es danach an verschiedenen Wochenenden noch mindestens fünfmal passierte, bis – beim letzten Male – der Kleine die Augen verdrehte und er endlich merkte, dass man die Zeit tatsächlich nicht zurückdrehen kann. Kann man das verstehen?

Der Kleine lag in seinen Armen wie ein halbvoll mit Wasser gefüllter Beutel. Er atmete nicht mehr, dann ein einzelnes Röcheln, eine Stoßatmung, dann nichts mehr. Panik überfiel den Vater. Tränen rannen ihm aus den Augen. Er sah wie sich das kleine Gesichtchen weiß und die kleinen Lippen blau färbten. Mit dem leblosen Bündel im Arm rannte er zur Nachbarswohnung, klingelte Sturm, und zum Glück waren die Nachbarn da. Sie nahmen ihm das Kind ab, unternahmen laienhafte Reanimationsmaßnahmen und alarmierten den Rettungswagen, der in wenigen Minuten vor Ort war. Sie brachten den Kleinen lebend in die Klinik, wo sich die Ärzte sofort daran machten, den Säugling zu stabilisieren. Ein Arzt fragte ihn, was passiert sei. Ob er das Kind geschüttelt habe, und unter Schluchzen räumte er seine Tat ein.

In der Hauptverhandlung hören wir den Gerichtsmediziner, der von schwersten Hirnschäden berichtete, von Scherwirkungen die beim Schütteln eines Kleinkindes am Übergang vom Rückenmark zum  Stammhirn entstehen. Wie Sehnerven irreparabel reißen können, wie alle lebensnotwendigen Gehirnzentren für immer zerstört werden können, und dass bei dem kleinen Opfer noch nicht gesagt werden könne, ob er nur in seiner Reife erheblich verzögert sei, oder ob er für immer schwerstbehindert ans Bett gefesselt bleibe. Erst die Zeit werde es zeigen.

Der behandelnde Kinderarzt hatte vorab dem Gericht einen ärztlichen Bericht zugesandt, in dem er den Zustand des Kindes so zynisch erklärt, dass einem die Luft wegbleibt. Das Kind sei allenfalls noch ein „lebendiger Organspender“. In der Hauptverhandlung gibt er sich ähnlich empathielos und beschreibt, was die als Nebenklägerin anwesende Mutter zu erwarten habe. Noch sei das Kind klein und niedlich. Die Mutter wisse aber nicht, was sie zu erwarten habe. Mit 30 werde sie den dann erwachsenen Sohn mit einem Badekran in die Wanne heben müssen. Das Kind werde niemals Fortschritte machen. Es werde lediglich auf dem Rücken liegen können – ohne bewussten Blickkontakt zur Umwelt, ohne jemals irgendetwas zu können.

Was hilft es, dass ich den Kinderarzt schon ob seiner Sprachwahl und  Gefühlslosigkeit für ein Arschloch halte und darin von einem im Publikum anwesenden Arzt bestätigt werde? Was nützt es, wenn andere behandelnde Ärzte die Auffassung des Gerichtsmediziners bestätigen, dass man zur weiteren Entwicklung noch nichts sagen könne. Dass man abwarten und hoffen müsse und es doch erste hoffnungsvolle Anzeichen gäbe, dass das Kind doch hören und sehen könne. Dass es die Mutter erkenne und dabei viel lächele, die Prognose aber für schlimmste, dauerhafte Behinderungen spräche.

In einer kurzen Sitzungspause ziehe ich mich mit dem Angeklagten zurück in das schäbige Treppenhaus, das hinunterführt in den im Keller gelegenen Zellentrakt. Ich setzte mich auf die Stufen. Der Angeklagte, der Vater, steht zitternd und schluchzend vor mir. Ich drehe ihm eine Zigarette, zünde sie an und reiche sie ihm. Vielmehr Tröstendes fällt mir nicht ein. Mir liegt der Satz auf der Zunge, dass das Leben weitergeht, er auf der Talsohle angekommen sei und den Mut nicht aufgeben solle. Aber die Worte kommen nicht über meine Lippen. Ich nehme ihn in den Arm und sage doch so etwas Bescheuertes wie – „Das wird schon.“ – und „Mach jetzt keine Dummheiten! Versprichst du mir das?“

Danach sitze ich mit Christoph in meinem Büro. Wir haben beide einen Kloß im Hals und reden über einen Führerschein für werdende Eltern. Wir sind uns einig, dass wir nicht noch mehr staatliche Reglementierung  und Einmischung brauchen, dass es jetzt schon genug ist, dass die Freiheit auf dem Spiel steht – aber … Verdammt!!! Wäre dieses tragische Ereignis vermeidbar gewesen? Jeder weiß, dass man einen Säugling wie ein Wattepflänzchen behandeln muss, dass man ihn nicht schütteln darf! Jeder weiß, dass zu schnelles Autofahren zu katastrophalen Folgen führen kann – auch die zumeist männlichen Fahranfänger. Und doch, passieren bei ihnen die meisten tödlichen Verkehrsunfälle. Es gibt Pilotprojekte, bei denen Fahranfängern mit schockierenden, realistischen Bildern veranschaulicht wird, welche Folgen verantwortungsloses Fahren hat. Nach meinen Informationen mit großem Erfolg. Hätte es genutzt, wenn die Hebamme, der Kinderarzt, ein Kurs für werdende Eltern dem Angeklagten seine Verantwortung in den Schädel gehämmert hätte? Wenn man ihm immer wieder vor Augen geführt hätte, dass Eltern an ihre Grenzen stoßen können? Dass das nichts Schlimmes ist. Dass man sich Hilfe holen kann. Dass man kein Versager ist, wenn einem die Dinge zuweilen über den Kopf wachsen. Wären die mahnenden Worte kurz vor dem Dammbruch – jenseits des theoretischen Wissens – in sein Bewusstsein gesickert? Wäre im letzten Moment eine rote Lampe angegangen? Hätte es „klick“ gemacht?

Rechtsanwalt Gerd Meister, Mönchengladbach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


6 Kommentare zu “Du darfst (d)ein Kind nicht schütteln!

  1. “Mir liegt der Satz auf der Zunge, dass das Leben weitergeht, er auf der Talsohle angekommen sei und den Mut nicht aufgeben solle. Aber die Worte kommen nicht über meine Lippen. Ich nehme ihn in den Arm und sage doch so etwas Bescheuertes wie – „Das wird schon.“ – und „Mach jetzt keine Dummheiten! Versprichst du mir das?“”

    WIe nett!! Mit einme Menschen wie Adolf Hitler würdne Sie das wahrscheinlich auch machen oder??? Schonmal was von Distanz gehört? Achso, der Herr Meister verbrüdert sich ja nicht mit seinen Mandanten, wahnsinn und dann wundern sie sich warum Leute Ihnen Morddrohungen schicken und Sie hassen!!!
    Der Mandant gehört für 30 Jahre in eine Einzelzelle, egal was war, er hätte das nicht tun müssen und darauf kommt es an, KEINER hat ihn dazu gezwungen, da ist jedes Mitleid fehl am Platze!!! Aber was kann man von einem Alt 68er auch erwarten….

    • Ach, Patrick, das ist eine ziemlich traurige Reaktion eines rechthaberischen Möchtegern-Gutmenschen auf einen wunderbar empathischen Beitrag, der die Ambivalenz zwischen Anspruch und (Un-)Vermögen eines mit der Situation überforderten jungen Vaters beschreibt, dem die tragischen Folgen seines Tuns erst bewusst geworden sind, als es zu spät war. Ihr Vergleich mit Hitler zeigt, dass Sie nichts begriffen haben und dass Ihr Geschichtsbewusstsein reichlich unterentwickelt ist. Der moralische Sockel, auf den Sie sich mit ihrem Beitrag zu stellen versuchen, ist reichlich marode und fällt spätestens dann in sich zusammen, wenn Sie konkludent Verständnis für Leute zeigen, die einem engagierten Verteidiger mit Hass und Morddrohungen begegnen, weil sie ebenfalls nicht differenzieren können. Bleibt Ihnen zu wünschen, dass Sie nie in die Situation geraten, auch einmal einen Verteidiger zu brauchen, der in der Lage ist, über den Tellerrand von Stammtischparolen hinauszuschauen.

  2. Danke, Herr Pohlen, für die treffende Antwort auf „Patrick“!
    Beim Lesen seines Kommentars fiel mir ein: undifferenziertes Schwarz-Weiß-Denken, Kopf-ab-Mentalität, hat sicher selber keine Kinder, ist wahrscheinlich ziemlich jung.

    Ehrlich gesagt ist mir der Beitrag auch etwas dick aufgetragen, was allerdings angesichts der persönlichen Betroffenheit des Schildernden (ist Herr Meister selbst Vater?) verständlich und verzeihlich ist.

    Ich kann sogar den Vater des Kindes verstehen. Meine Tochter war auch ein „Schreikind“ und manchmal mit keinem Mittel zu beruhigen und ich gebe zu selbst mal in Versuchung gewesen zu sein Sie zu schütteln. (Wie schaffen das eigentlich die allermeisten Mütter, mit einem solchen Kind umzugehen, OHNE auszurasten?)

    Wenn denn die Umstände so waren und sind, wie Herr Meister sie schildert, braucht der Vater dieses Kindes keine weitere Strafe, er ist gestraft genug. (Außerdem würde eine Haftstrafe seine Chance wenigstens teilweise für die – leider – wohl anstehenden Pflegekosten aufzukommen nur noch mehr verringern!)

    Was den von Herrn Meister spekulierten „Elternführerschein“ betrifft: Seit wievielen zig Jahrtausenden bekommen Menschen (Eltern) Kinder? Und wie häufig sind – über die geschichtlichen Zeiträume gesehen – solche „Entgleisungen“? Was würde der „Elternführerschein“ daran ändern? Insbesondere bei solchen Frauen die die Schwangerschaft bis nach der Geburt geheim halten (die Väter sind da per se außen vor) und somit sowieso nicht von medizinischen/bürokratischen Maßnahmen erfasst würden?
    Wie Herr Meister ja selbst anführt, verhindert der Autoführerschein Geschwindigkeitsüberschreitungen, Unfälle, Trunkenheitsfahrten etc. nicht. (Wir können noch nicht mal sagen, ob er überhaupt einen Einfluß hat, denn die Gegenprobe ist nicht durchführbar und Zeiten ohne Führerscheinpflicht hat es in Deutschland nur ganz kurz gegeben!)
    Welchen Einfluß soll da ein „Elternführerschein“ haben, zumal es sich hier um emotionale Ausnahmesitutationen handelt!?
    Die Idee erscheint im ersten Moment einleuchtend, doch wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, wäre ein solcher lediglich ein politischer und bürokratischer „Wir-tun-was“-Persilschein, ohne ernsthaft handeln zu müssen!
    Ganz zu schweigen von den möglichen bürokratischen und juristischen Folgen. Was, wenn Menschen trotzdem Kinder bekommen, ohne den Elternführerschein gemacht zu haben? Gibt es dann eine „Gebärerlaubnis“ nur bei Vorlage des „Elternführerscheins“, müssen evtl. Heranwachsende bei Einsetzen der Pubertät dann zwangsweise die Prüfung dazu ablegen? Dürfen Menschen, die ihn nicht haben, keinen Kontakt mehr zu Menschen des anderen Geschlechts haben? Welche Probleme würde das in einem Elternhaus mit andersgeschlechtlichen Geschwistern geben? Wird das Fehlen des Elternführerscheins bei Schwangerschaft sanktioniert, und wie?
    Bei Lichte betrachtet ist die Idee ……..!

    Eine Anmerkung noch zu dem Kinderarzt, den Herr Meister für ein Arschloch hält.
    Er mag recht haben!
    Ich stelle mir jedoch die Frage, ob dessen Verhalten evtl. ein Schutzmechanismus ist? Solches – so habe ich mir von Ärzten, Krankenschwestern und Polizisten sagen lassen – ist unter Unfallchirurgen, Pathologen, Sanitätern und Polizisten nicht selten! Einfach um die tägliche Konfrontation mit Leid, Krankheit, Unfallfolgen und dem Tod überhaupt ertragen zu können, bauen sie Mauern aus Gefühlslosigkeit und Zynismus um sich auf!
    Könnte das sein?

    Kinder besitzen ungeheure Selbstheilungskräfte. Hoffen wir, daß sich „das Arschloch“ und die anderen Gutachter irren, zum Wohle des Kindes, des Vaters und der Mutter!

  3. An alle schreibenden, vorab habe ich über den Prozess in der RP gelesen, dann hier im Strafblock @ Patrick clever wenn ich einen Anwalt angreife… @ Rainer Pohlen wäre traurig wenn Sie nicht Ihrem Partner zur Seite stehen. A
    ber worum geht es ? Die Ambivalenz zwischen Anspruch ( auf den Säugling bezogen ? ) und (Un-)Vermögen des Vaters ? Eine Situation ? Oder ein sich plötzlich einstellendes Ereignis ( was ich Versicherungsdeutsch für die Zahlung auf Leistung darstellt) Es geht sich letztendlich um eine Kurzschlussreaktion, bleibt die Frage und das zeugt für den Angeklagten, er war, so traurig es auch ist, überfordert aber, und das ist fakt, er hat das Kind nicht geschlagen, in die Ecke geworfen oder es Ersticken wollen, wer schon mal ein Baby mit aller Energy und grell hat schreien hören fragt sich wieviel Power in so einem kleinen “bündel grell” sitzen kann. ( Ich möchte nicht wissen wieviele “Ohrfeigen” kleine schon deshalb zuhauf immerwieder bekommen)
    wieviel “schütteln” ist da in power umgerechnet “anwendbar” ? wieviel darf ich meinem Baby auf den Rücken klopfen für ein Bäucherchen ( als Ra – sorry – oder als Bauarbeiter ) wer klopft fester ohne es als fest zu empfinden ?
    Mein Mitgefühl liegt bei dem kleinen und der Mutter welche Ihren Sohn lebenslang pflegen muss, was unter Umständen “schlimmer” sein kann als ein paar Jahre Haft. Ihm sollte man lebenslang in einer Kita arbeiten lassen, mit viel Kindergeschrei und dem Gedanken, jedes spielende Heranwachsende hätte sein Kind sein können, jeden Tag aufs neue. Ich denke mehr “Strafe” geht nicht.
    Schüttel keine Säuglinge !

  4. “Jeder weiß, dass man einen Säugling wie ein Wattepflänzchen behandeln muss”…aber nicht jeder weiß um die Folgen, wenn man es nicht tut. Ich war schon lange Vater, bevor ich das erste mal davon gehört habe, was passieren kann, wenn kleine Kinder geschüttelt werden. Ich erinnere mich noch an die Erleichterung die ich verspürt habe, dass bis dahin nichts passiert ist. Nicht dass ich mein Kind geschüttelt hätte, aber ich stand dem kleinen Wesen mitunter auch reichlich hilflos gegenüber und habe mich ernsthaft gefragt, warum mir nie jemand gesagt hat, wie gefährlich das sein kann. Es gibt Hebammen, man bekommt Broschüren, geht ins Krankenhaus, zum Einwohnermeldeamt und danach zur U-Untersuchung. Gelegenheiten zur Aufklärung gab es reichlich.

    Deswegen ein wirlklich guter Beitrag, den hoffentlich viele Menschen lesen. Das Los der Mutter ist bitter und das Schicksal des armen Jungen einfach grausam. Trotzdem verdient auch das Leid des jungen Vaters Mitgefühl. Menschen machen aus Unwissenheit oder Leichtsinn die unglaublichsten Fehler. Manche haben Glück und es passiert nichts. Manche werden vom Leben gnadenlos bestraft. Die strafrechtliche Komponente ist dagegen nur ein Fußnote.

  5. Ich habe in meiner Schwangerschaft zufällig einen Beitrag zu diesem Thema gesehen. Es war erschütternd! Man hatte ein virtuelles gläsernes Baby und zeigte, was im Schädel passiert.
    Das Handeln des Vaters ist zu verurteilen aber man darf ihn nicht verteufeln. Natürlich nützt Reue nichts und die Tat ist auch nicht zu entschuldigen aber wenn ein Kind stundenlang schreit, wäre jemand, der einem vorher Tipps, wie man mit dieser Situation umgeht mehr als hilfreich. Ich habe meinen Sohn (hat ein halbes Jahr nur geschrieen) notfalls kurz schreien lassen und habe auf dem Balkon kurz durchgeatmet. Nicht jeder schafft es gelassen zu bleiben. Dann von 30 Jahren Einzelhaft zu reden hilft niemandem. So viele Menschen gehen in Geburtsvorbereitungskurse. Da muss man doch über sowas auch mal reden. C.Jones hat absolut recht. Aufklärung kann in so einer Stresssituation immer noch helfen. Mir hat es geholfen.

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