Vielleicht geht´s ja so: Exkommunikation als Strafe für das organisierte Verbrechen

Papst Franziskus, Foto: Jeffrey Bruno https://www.flickr.com/people/88601135@N08

Papst Franziskus, Foto: Jeffrey Bruno https://www.flickr.com/people/88601135@N08

Papst Franziskus ist ein Mann klarer Worte und unkonventioneller Maßnahmen. Er trägt – anders als seine Vorgänger – keine teuren roten Schuhe, wohnt in keinem Palast und lässt sich in einem alten Renault R4 durch die Gegend kutschieren. Das hat ihm weltweit viel Zuneigung und innerhalb des römischen Klerus sicher auch manche Feindschaft eingetragen, sägt er damit doch an den oft überheblichen und maßlosen Privilegien vieler Bischöfe und Kardinäle. Franziskus hält auch Schwule für Kinder Gottes und Sex ohne Zeugungsbereitschaft nicht unbedingt für Teufelswerk. Da kann man es ihm durchaus verzeihen, dass er an sich an andere alte Zöpfe wie den Zölibat oder die Beschränkung des Priesteramtes auf Männer noch nicht herangetraut hat.

Jetzt legt sich der argentinische Pontifex mit der Mafia an. Deren Clans, darunter explizit auch die kalabrische `Ndrangheta, seien ein Übel, das bekämpft werden müsse, hat er gestern vor zehntausenden Menschen in der italienischen Stadt Sibari verkündet. Die Mafiosi, so der Papst, lebten nicht in Verbundenheit mit Gott. Sie seien exkommuniziert. Laut spiegel-online sind das die schärfsten Worte, die ein Papst seit 1993 gegen die Mafia gerichtet hat. Damals hatte Johannes Paul II. deren Verbrechen massiv verurteilt.

Der Papst nutzte auch einen Besuch in einem Gefängnis bei Cassano allo Ionio zu einem Aufruf gegen die Gewalt der Mafiosi. Niemals wieder dürfe ein Kind durch deren Hände sterben, meinte er im Hinblick auf den Tod des dreijährigen Nicola “Coco” Campalongo, der im Januar diesen Jahres gemeinsam mit seinem Großvater und dessen Lebensgefährtin verbrannt in einem Auto entdeckt worden war. Streitigkeiten zwischen verschiedenen Mafiaclans sollen zu der schlimmen Tat geführt haben.

Franziskus hat seit seinem Amtsantritt schon mehrfach Haftanstalten besucht und mit Häftlingen diskutiert. Er wolle damit seine Nähe und die Nähe der Kirche zu allen Männern und Frauen, die weltweit in Gefängnissen sind, zum Ausdruck bringen, hat er gesagt.

Weltliche Strafen haben die Entscheidungsträger der Mafia bislang nicht wesentlich von ihrem Tun abbringen können. Deren drei Hauptorganisationen, die neapolitanische Camorra, die sizilianische Cosa Nostra und eben die ´Ndrangheta machen nach Uno-Schätzungen Umsätze im dreistelligen Milliardenbereich. Dass der Bann der Kirche hieran etwas zu ändern vermag, darf bezweifelt werden. Aber der eine oder andere Unterstützer aus der in vielen Regionen  immer noch erzkatholischen Bevölkerung wird vielleicht doch durch die päpstlichen Worte aufgerüttelt werden.

Meinen Respekt hat Franziskus für sein klares Statement. Bleibt zu hoffen, dass er damit nicht auf die Abschussliste der kriminellen Clans gerät. Aber ich denke, dieses Risikos ist sich der Papst durchaus bewusst.


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