Pipi in den Augen: Was für Gesichter, was für Schicksale

SAMSUNG CSC

Rainer Pohlen

Rainer Pohlen

Gestern hatte ich im strafblog über den 57-jährigen Ricky Jackson geschrieben, der 39 Jahre lang unschuldig im Gefängnis gesessen hat und jetzt freigelassen wurde. Der Berichterstattung bei spiegel-online hatte ich entnommen, dass Jackson seinerzeit gemeinsam mit zwei angeblichen Mittätern festgenommen und zum Tode verurteilt worden war. Das ließ natürlich die Frage aufkommen, was mit den beiden anderen Verurteilten geschehen ist.

Heute legt spiegel-online nach.Und wie. Wir erfahren nicht nur, dass auch die Brüder Ronnie und Wiley Bridgeman, die zusammen mit Jackson verurteilt worden waren, nach ebenfalls 39 Jahren zu Unrecht verbüßter Haft freigelassen wurden, sondern auch ein paar zusätzliche Details, warum es zu der Verurteilung und mit Hilfe des Reporters Swenson und einiger Anwälte jetzt zum Freispruch gekommen ist. Das Nachrichtenmagazin legt dazu noch eine beeindruckende Fotostrecke vor, auf der die Drei nach ihrem Freispruch zu sehen sind. Schade, dass ich sie aus urheberrechtlichen Gründen im strafblog nicht selbst zeigen kann, aber ein Klick auf den Link reicht ja.

Die Gesichter der drei freigelassenen Männer sind unglaublich ausdrucksstark und dazu richtig sympathisch, ihre Freude und Erleichterung dringt vom Bildschirm in alle Poren und treibt einem wirklich Pipi in die Augen. Mir jedenfalls ist es so ergangen, und ich glaube, dass man sich dem nur schwer entziehen kann.

Was für Gesichter, was für Schicksale! Man kann nur hoffen, dass das Leben den Männern Einiges von dem zurückgibt, was sie durch die lange Haft verloren haben.

Ein wenig denke ich da an Nelson Mandela, auch wenn das eine ganz andere Geschichte ist.

 


5 Kommentare zu “Pipi in den Augen: Was für Gesichter, was für Schicksale

  1. “Die Gesichter der drei freigelassenen Männer sind unglaublich ausdrucksstark und dazu richtig sympathisch, ihre Freude und Erleichterung dringt vom Bildschirm in alle Poren und treibt einem wirklich Pipi in die Augen. Mir jedenfalls ist es so ergangen, und ich glaube, dass man sich dem nur schwer entziehen kann.”

    Haben Sie solche Gefühle auch wenn sie an die Opfer Ihrer Mandanten denken???? Wenn sie den Opfenr im Gerichtsaal gegenüber sitzen und sie weinen sehen????

    • Es ist schon sonderbar, wie oft uns Strafverteidigern direkt oder indirekt unterstellt wird, herzlose Gesellen zu sein, die keinerlei Empathie für die Opfer von Straftaten empfinden, die den eigenen Mandanten zur Last gelegt werden. Natürlich habe ich oft tiefes Mitgefühl mit den Opfern, und zwar sowohl im Gerichtssaal als auch außerhalb. Dieses Mitgefühl äußere ich auch bei Gelegenheit. Unabhängig hiervon geht es im Strafprozess aber darum, zunächst einmal festzustellen, ob die behauptete Straftat überhaupt stattgefunden hat, und wenn ja, wer sie begangen hat. Und zumindest dann, wenn der Beschuldigte bestreitet, die Tat begangen zu haben, gilt für ihn bis zur rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Daran ändern auch Tränen auf Seiten des (prospektiven) Opfers nichts. Mein Mitgefühl für die Opferseite darf mich nicht daran hindern, engagiert zu verteidigen. Das ist mein Berufsauftrag. Bisweilen gehört dazu auch der Versuch, einen angemessenen Täter-Opfer-Ausgleich herbeizuführen. Das dient dann manchmal beiden Seiten.

  2. Nach 39 Jahren ist Dein Leben genauso vorbei, als wärst Du gestorben. Vater kannst Du auch nicht mehr werden, weil Du schon gestorben bist, wenn Deine Kinder in die Schule kommen würden. Und das ist der Sinn des Lebens. Dazu kommt noch, daß Deine körperliche Verfassung nicht mehr die gleiche Liebesfähigkeit hervorbringt, als wärst Du noch 20 Jahre alt. Du kannst Dich nur noch an den Strand setzen und aufs Meer schauen, für den Rest der verbleibenden, sehr schmerzvollen Jahre.

  3. Sollten Sie Ihre Antwort auf den Kommentar von “Pauli” nicht schon als Textbaustein gespeichert haben, rege ich an, dies zu tun. Treffender kann man es eigentlich kaum mehr auf den Punkt bringen.

  4. “Dieses Mitgefühl äußere ich auch bei Gelegenheit.”

    Würden Sie das öfters äüßern, auch uhre Kollegen, dann würde es solche “Unterstellungen” wohl kaum noch geben!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>