Fischer im Trüben

 

Man kann gegen den Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof, Thomas Fischer, möglicherweise eine Menge sagen. Ich weiß davon nichts. Ich weiß nur, dass gute Leute schnell in den Ruf gelangen, arrogant zu sein. Vielleicht trifft das auf einige auch zu, vielleicht wird ihnen die Arroganz aber auch von weniger begnadeten, neidischen Geistern angedichtet. Der österreichische Philosoph und Verfasser des heute uralt-wirkenden Buches „Plädoyer für die Abschaffung des Strafrechts“ – Arno Plack, schrieb in seinem Werk „Die Gesellschaft und das Böse“ sinngemäß, Arroganz diene zuweilen auch als Schutz gegen Arschkriecherei. Auch das mag zutreffen, spielt aber im Folgenden keine Rolle. Ich kann den Menschen Thomas Fischer nicht beurteilen. Ich kenne ihn nicht näher und auf  kursierende Scheißhausparolen lege ich keinen wert.

Was ich aber wohl sagen kann, ist, dass mir seine Zeit-Kolumnen richtig gut gefallen. Das gilt insbesondere für seinen letzten Artikel vom 10.3.15 mit der Überschrift „Geständnis für 5.000 Euro“. Ich las ihn heute Morgen beim Frühstück und habe mich bekringelt. Welch entlarvende Analyse der allgemeinen Heuchelei im Fall Edathy (und nicht nur da). Welch treffender Seitenhieb gegen den fraglichen Kinderschutzbund, der die Geldbuße von Edathy abgelehnt hatte. Und dann noch der Tritt gegen das Schienbein der mit Edathy befassten Staatsanwaltschaft und eine schallende Ohrfeige für den Fuhrunternehmer, der seine Lästerwagen mit aufgeklebten Hetzparolen durchs Land fahren lässt.

In meinen beiden Artikelchen zu Edathy („Wir sind auf der Seite der Bösen“ und  „Jetzt holen wir uns gemeinsam mal einen runter“) habe ich Ähnliches auf andere Weise sarkastisch formuliert und hatte dabei das dumpfe Gefühl, damit einen Shitstorm auslösen zu können. Bis auf den erwarteten Kommentar vom ewigen „Stefan“, ich benötigte demnächst mal wieder Bodyguards, wenn ich mich draußen blicken lassen sollte, blieben jegliche Reaktionen aus. Nicht einmal die angedeutete Projektionsleistung der „Ach-So-Entrüsteten“ nahm man mir offengezeigt übel.  Es wird wohl daran liegen, dass –bis auf Stefan – keiner meine Beiträge liest, oder dass sie nicht so gut geschrieben sind. Den Fischer aber, der da mit seiner spitzen Harpune im Trüben des menschlichen Bösen fischt, den werden hoffentlich die Richtigen mit hochrotem Kopf lesen. Vielleicht denken sie sogar über ihre Scheißhausparolen nach? Wünschenswert wäre es!

 

Rechtsanwalt Gerd Meister, Mönchengladbach

 

 


9 Kommentare zu “Fischer im Trüben

  1. selbstverständlich wird das alles gelesen!
    ich nutze ihre argumentationslinien, die ich hier finde, nur zu gern im kampf gegen den mistgabelschwingenden mob. nützt natürlich nichts.
    also danke für jeden einzelnen blog, seien sie gewiss, dass mancher leser sich bereichert fühlt, so wie ich!

  2. Thomas Fischer ist unbestreitbar ein kluger Kopf. Leider neigt er dazu, sich entweder für klüger zu halten als er ist, oder seine Klugheit nicht zu verwenden oder mit Freunde einen leider nicht überragenden Polemikstil zu pflegen. Spätestens sein Hohn, Spott oder wahlweise auch nur Verachtung für alle die seine Meinung (die sicher oft richtig ist) nicht teilen, relativert leider seine zahlreichen Beiträge nicht unerheblich in deren Wertgehalt.

  3. Oh, gelesen werden sie schon! Nur, wo Sie so offensichtlich richtig lagen, z.B. mit der “Projektionstheorie”, erübrigte sich ein Kommentar!

  4. Ich fürchte “die Richtigen” werden gar nicht verstehen was Herr Fischer da geschrieben hat.
    Evtl. so in 600 Jahren …

  5. Nein, Herr Meister, Sie müssen keine Sorge haben, dass Ihre Beiträge nicht gelesen werden. Mindestens einen regelmäßigen Leser haben Sie (und Ihre Webseiten-Statistik wird Ihnen verraten, dass es noch einige mehr sind). Ich bewundere jeden Juristen, der es schafft, die doch meist recht trockene Materie anschaulich zu fassen. Sie gehören sicher dazu.

    Fischers Kolumnen sind absolut lesenswert. Er schafft es, nicht nur spannend zu schreiben, sondern auch mir juristischem Laien eine Ahnung zu geben, auf welchem Niveau Debatten an den höchsten Gerichten ausgetragen werden.

  6. Das mit den € 5.000,- und dem § 170, Abs. 2 ZPO hat wie alles zwei Seiten (einer Medaille), falls nicht viele Facetten (wie ein Diamant).

    Eine Einstellung nach § 170, Abs. 2 mit Auflagen (Zahlung von Geld) kann trotzdem bedeuten, dass der Betroffenen eine Straftat begangen hat, aber eben ohne strafrechtliche Folgen.

    Diese Tatsache kann Folgen haben für die Beteiligten. Es kommt jedenfalls darauf an, mit welcher Begründung ein Strafverfahren nach § 10, Abs. 2 eingestellt wurde.

    Man sollte Bedenken, dass auch die Justiz, die Staatsanwaltschaft Straftaten deckt bzw. nicht verfolgt, damit nicht 80 Millionen in Deutschland in Gefängnissen sitzen.

  7. Keine Sorge, ihre Beiträge werden gern gelesen – aber vermutlich nicht von der Zielgruppe ihres “rants”, weswegen die Reaktion ausbleibt ;-)

  8. Jupp, Lesebestätigung auch von mir, den “Wir sind die Bösen”-Eintrag hatte ich rechtzeitig vor einer Pausendiskussion mit Kollegen erwischt, die noch weniger vom Recht verstehen als ich, aber offen und respektvoll (Edathy ggü) diskutiert haben, war eine gute Anregung :)

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